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Projektbeispiele zu Mobilität in ausgewählten Lebensbereichen

Kriterien zu Inhalten, Methoden und Zielen

Die Projektarbeit soll:

  • thematisch von den Schülerinnen und Schülern mitbestimmt und mitgestaltet werden.
  • Lebensbereiche, -erfahrungen und Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen.
  • selbst bestimmte Erkundungen und Untersuchungen im kommunalen Umfeld initiieren.
  • Basis sein für Vertiefungen und vernetzende Erkenntnisse zum Thema Mobilität
  • selbstverständlich fächerübergreifende Inhalte verzahnen.
  • die Arbeit in Teams mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten fördern.
  • selbst gesteuertes und besonders durch neue Medien gestütztes Lernen fördern, z.B. durch Nutzung des Internet.
  • durch die Fachkompetenz außerschulischer Kooperationspartner und Experten unterstützt werden.
  • ergebnisoffen sein und unterschiedliche Handlungsprodukte ermöglichen.
  • Gestaltungs- und Handlungsspielräume für nachhaltige Verhaltensweisen erkennen lassen.
  • innovative Lösungsstrategien sowie mitverantwortliches Handeln induzieren.

Begründung für die Projektstruktur nach dem Prinzip einer vollständigen Handlung

Der dargestellten allgemeinen Projektstruktur liegen folgende didaktischen Überlegungen zugrunde:

  • Die Struktur richtet sich nach dem „Modell einer vollständigen Handlung“, d.h. ausgehend von einem (komplexen) Problem können die Schülerinnen und Schüler planen, ein Handlungsprodukt entwickeln und eventuell kontrollieren und verbessern. Abschließend wird geprüft, inwieweit das Ausgangsproblem „gelöst“ wurde.
  • Die Struktur berücksichtigt aus der Lernpsychologie Ansätze des „ganzheitlichen Lernens“ (Aebli) und orientiert sich am Konzept der Handlungsorientierung.
  • Die Struktur kommt der Forderung nach, Schüler und Lehrer sollten sozialwissenschaftliche Methoden (Problemlösungsmethoden) beherrschen. Diese Struktur ist als gesellschaftlich – politische ( aber auch technologische) Problemlösungsstrategie zu entwickeln.
  • Die Struktur erfordert eine Rückkoppelung zum Ausgangsproblem und erreicht durch eine Überprüfung, inwieweit sich die Ausgangsbedingungen geändert / verbessert haben. Wenn sich feststellen lässt, dass z.B. das eigene Mobilitätsverhalten heute so gestaltet werden kann, dass auch zukünftige Schülergenerationen die Schule wirtschaftlich und ökologisch verantwortungsvoll erreichen, wäre eine wesentliche Forderung von Nachhaltigkeit erreicht.
  • Nachhaltigkeit wäre insbesondere erreicht, wenn die Projektarbeit Auswirkungen auf das Schulprogramm hat.

Elemente der Projektstruktur

1. Anlass, Problem

Der Anlass, sich mit dem Thema Mobilität in der Schule zu beschäftigen, entwickelt sich aus den lokalen Alltagserfahrungen der Schülerinnen und Schüler. Aktuelle Ereignisse aus ihrem Erlebnis- und Erfahrungsbereich werden eventuell schon als Probleme erkannt. So kann ein direkter Lebensbezug hergestellt werden, der z. B. in einem Projekt „Mobilität in ausgewählten Lebensbereichen“ zu konkreten Handlungsaufgaben führt.

Solche Anlässe oder Probleme können sein:

  • Schüler kommen zu spät
  • Busse und Bahnen fahren nicht im Takt
  • Unfall auf dem Schulweg
  • Verkehrschaos vor der Schule, weil Eltern Kinder mit dem Auto bringen
  • Störungen durch Verkehrslärm
  • Luftverschmutzung
  • erfahrungsarme, gefährliche Schulwege
  • keine Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder
  • Fahrräder auf dem Schulhof werden beschädigt
  • Mobilitätskosten / Fahrpreiserhöhungen
  • Gedränge in den öffentlichen Verkehrsmitteln
  • Gewalt / Angst im Verkehr
  • Planung von Klassenfahrten
  • fehlende Spielmöglichkeiten
  • mit dem Fahrrad zur Schule
  • Parkplatzprobleme
  • aktuelle Zeitungsberichte zur Mobilität in der Gemeinde
  • Werbung für Fahrzeuge / ÖPNV
  • Aggressionen gegen Verkehrsteilnehmer
  • Vandalismus an Haltestellen und in Bussen und Bahnen
  • Streik des ÖPNV

Methodenanregungen/Handlungsideen:

Imagination
Phantasiereisen ermöglichen über einen Imaginationstext ein emotionsbetonteres Bild der Mobilitätswirklichkeit

Visualisieren
Leitfragen wie "Was stört dich zur Zeit an deinem Schulweg/deinerWohnstrasse..?" heben die Problematik in den Bewusstseinhorizont der Schülerinnen und Schüler. Es kann ein Außenbild der Wirklichkeit gezeichnet/gemalt werden.

Erfahren/Erkunden
Alternative Sinneserfahrungen müssen zunehmend durch Lehrkräfte organisiert werden:

  • Hören:
    Wie hört sich Autoverkehr im Vergleich zur Stille an?
  • Sehen:
    Wo können die Augen verweilen – Wo werden sie angezogen?
  • Riechen:
    Wie riecht die Straßenbahn, das Auto, das durchgeschwitzte T-Shirt des Radfahrers?
  • Tasten:
    Barfuß-Erkundung oder Blinde-Kuh Schulweg

Elemente der Projektstruktur

2. Problemanalyse

In dieser Phase sollen Ursachen und Hintergründe des Ausgangsproblems genauer untersucht werden, damit Schülerinnen und Schüler sachorientiert und zielgerichtet am Projekt weiterarbeiten können. (Einschränkung, Begrenzung des Themas, der Emotionen, Rahmen abstecken, aber auch erweitern).

Methodenanregungen und Handlungsideen
Den Ist-Zustand erheben

  • Erkunden:
    Taktzeiten und Anbindung des ÖPNV untersuchen, Auslastung des ÖPNV ermitteln, Stadtteil untersuchen: Flächenvergleich (ruhender Verkehr, Freiraum, Straße, .... ) Funktionsvergleich (Wohnen, Erholen, Versorgen, Arbeiten, ......)
    Mobilitätsverhalten, Konsumverhalten, Lebensstile
  • Beobachten:
    Verkehrsverhalten verschiedener Teilnehmer nach Kategorien beobachten, Videoaufzeichnungen anfertigen, fotografieren
  • Messen:
    Fahrzeiten erfassen, Geschwindigkeiten, Abgase, Staub, Lärm messen
  • Berechnen:
    Berechnung der „sozialen Kosten“ und der „sozialen Geschwindigkeit“ der unterschiedlichen Verkehrsträger, Berechnen der ökologischen Kosten für Wege und Produkte / Ökobilanzen
    Schulstatistiken auswerten.
  • Kartieren:
    Verkehrswege, Schülerströme, Anfahrten, Unfallschwerpunkte
  • Zählen:
    Neuralgische Verkehrspunkte untersuchen, daraus Karten, Grafiken, Statistiken anfertigen und auswerten
  • Befragen:
    Umfragen, Interviews, Videoaufnahmen, (Experten, Planungsämter, Anwohner, Zeitzeugen)
    www.muellerstrasse.de
    www.bpb.de
    www.uni-muenster.de
    www.planungszelle.de
  • Quellenanalyse:
    Viele Regionalzeitungen bieten kostenlosen Zugriff in das Zeitungsarchiv ( z.B. www.newsclick.de) Archive, Internet, Ämter,...

Elemente der Projektstruktur

3. Suche nach Lösungsansätzen

In dieser Phase werden die Schüler angeregt, zu den erkannten Problemen und Interessenkonflikten persönliche Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln.

Methodenanregungen und Handlungsideen

  • Brainstorming
    Mit dem Brainstorming lassen sich in kurzer Zeit vielfältige Lösungsansätze sammeln. Ideen werden auf Moderationskarten oder Wandzeitungen protokolliert.
  • Brainwriting
    Ideen und Visionen werden auf Tabellen protokolliert und nach einem vorher festgelegten Zeitraster weitergegeben. Sie können mit Leitfragen strukturiert werden.
  • Zukunftswerkstatt
    Die Zukunftswerkstatt, bietet mit ihrem Phasenmodell und den zugehörigen Leitfragen vielfältige Anregungen:
    Kritikphase: Was stört mich an der gegenwärtigen Situation?
    Phantasiephase: Wie wäre es, wenn es gut/schön wäre?
    Verwirklichungsphase: Was müssen wir tun, um bedeutsame Teile unserer Utopie zu verwirklichen?
  • Zukunftskonferenz
    Aus dem Phasenmodell der Zukunftskonferenz lassen sich Anregungen für den Projektunterricht entnehmen. In Zukunftskonferenzen spielen Experten eine größere Rolle als bei der Zukunftswerkstatt
  • Szenario
    Bei der Szenariotechnik werden unter Berücksichtigung der Einflussfaktoren alternative Zukunftsmodelle entwickelt. Durch den Entwurf zweier Extremszenarien wird die prinzipielle Offenheit der Zukunft und die Notwendigkeit der Gestaltung sichtbar. Szenarien sichern die Aspektvielfalt und die Vernetzung des Themas .
  • Kopfstandtechnik
    Diese Methode ermöglicht die kritisch - destruktive Haltung Einer Lerngruppe positiv zu nutzen: Es wird gefragt, wie die Zukunft sein müsste, damit etwas nicht gut/richtig funktioniert, z.B.: Was müsste sein, damit der Schulweg noch länger dauert, gefährlicher wird, .... Anschließend werden diese Vorstellungen "vom Kopf auf die Füße gestellt".
  • Mediationsverfahren
    Unter Mediation versteht man ein Verfahren, bei dem von allen Konfliktparteien akzeptierte Mediatoren versuchen, zwischen zwei oder mehreren gegensätzlichen Interessenpositionen zu vermitteln. Eine Mediation verläuft in mehreren Diskussionsrunden. Sie kann Gutachten einholen und Expertenbefragungen vornehmen. Ziel ist ein von allen Beteiligten freiwillig akzeptiertes Ergebnis.
  • Planungszirkel
    In einem Planungszirkel werden bereits vorhandene Konzepte und Vorschläge zu einem Planungsvorhaben gemeinsam mit Schülern und Experten schrittweise präzisiert und bis zur Verwirklichung weiterbearbeitet.

Elemente der Projektstruktur

4. Entscheidung

In dieser Phase werden Kriterien für die Entscheidung bzw. Auswahl eines möglichen Handlungsproduktes gemeinsam mit den Schülern entwickelt. Es ist zu überprüfen, welche Realisierungschancen die Handlungsideen der Schüler haben. Kriterien: finanzierbar, gerecht, nützlich, ökologisch, sozialverträglich, ...
Hier bieten sich Verfahren der sozialen Perspektivenübernahme an ( ... mit den Augen des anderen sehen.) Diese Phase schließt mit einer verbindlichen Zielvereinbarung ab.

Methodenanregungen und Handlungsideen

  • Punktabfragen
    Verfahren aus der Moderationstechnik nutzen
  • Abstimmungen
    Nach Austausch von Argumenten (z.B.: Pro - Contra – Debatte, amerikanische Debatte, Kugellager, JA, ABER – Gespräche ) können Abstimmungen entscheiden
  • Zielvereinbarung
    In einem Arbeitsplan wird festgelegt: „Wer macht was mit wem bis wann mit welchen Mitteln?“

Elemente der Projektsruktur

5. Durchführung

In dieser Phase werden Handlungsprodukte erstellt.

Methodenanregungen und Handlungsideen

  • Werben
    Werbekampagnen: z.B. Autos raus aus der Stadt
    Fahrradfreundliche Verkehrsführung
    Unser Viertel soll schöner werden
    ÖPNV-Nutzung
  • Organisieren
    Podiumsdiskussion vorbereiten
    Mitfahrerzentrale / -börse organisieren
    Schülerlotsendienst einrichten
    Fahrradbörse / Fahrradwerkstatt / Fahrradunterstände
    Gestaltung eines „Mobilitätstages“
  • Planen / Modelle entwickeln
    Stadt der kurzen Wege / Siedlungsverdichtung
    Kinder- und jugendfreundliche Wohnviertel
    VerkehrsverbundnetzModell einer „idealen“ Straßenbahn
    Planung eines RadwegesnetzesErstellen einer Freiraumkarte mit Spielmöglichkeiten
    Erstellen einer Radwegekarte für den Weg zur Schule
  • Vereinbarungen entwickeln
    Vereinbarungen zur Optimierung der Mobilitätsbedingungen durch Konferenzbeschluss
    mit SV, Lehrkräften und Eltern
    im Schulprogrammmit der Gemeinde oder den Verkehrsbetrieben
    z. B. über Klassenfahrten, Schulwege, Fahrpläne, Verkehrsmittel, Parkflächen ..
  • Gutachten erstellen
    für Ampelanlagen, verkehrsberuhigende Maßnahmen, Lärmschutzmaßnahmen, zur Umweltverträglichkeit unterschiedlicher Verkehrsmittel und -systeme .....
  • Patenschaften übernehmen
    für die Schulwegsicherheit der Grundschülerfür Straßenbäume, Radwege, Haltestellen
  • Ausstellung organisieren
    Fotosafari: Schöne und scheußliche Plätze und Anblicke
    Dokumentation: Von der Pferdekutsche zum Transrapid

Elemente der Projektstruktur

6. Präsentation und Veröffentlichung

In dieser Phase stellen die Schülerinnen und Schüler ihre Arbeit durch Einbeziehung der Medien nach außen dar und partizipieren so an gesellschaftlichen Prozessen.

Methodenanregungen und Handlungsideen

  • Veranstaltungen
    Bericht vor der Konferenz,
    Vorträge und Informationsveranstaltungen (Tag der offenen Tür, Info-Stände)
    Podiumsdiskussion veranstalten
    Lesungen, szenische Darstellungen
    Demonstrationen
  • Visualisierung
    Plakate, Kollagen, Ausstellungen, szenische Darstellungen, z. B. „Straßentheater“, Rollenspiele
  • Mediale Präsentation
    Pressearbeit: Pressemitteilung, Leserbrief, Zeitungsartikel (Schülerzeitung), Internetpräsentation: Diskussionsforen organisieren und moderieren, Homepage unterhalten, Tonfeature für Bürgerradio, Videos erstellen, ...

Elemente der Projektstruktur

7. Bewertung und Überprüfung

In dieser Phase wird durch einen Vergleich mit dem Ausgangsproblem überprüft, ob das Handlungsprodukt zu einer Verbesserung der bisherigen Situation geführt hat.

Methodenanregungen und Handlungsideen

  • Leitfrage: Hat sich die Situation verbessert?
  • Hierfür müssen Kriterien entwickelt werden, an denen die Verbesserung gemessen werden kann.
  • Erneute Zählungen und Messungen, Vergleich mit der Problemanalyse

Elemente der Projektstruktur

8. Rückkopplung und Verbesserung

Wenn das Handlungsprodukt positive oder negative Auswirkungen auf das Ausgangproblem hat, kann es einen neuen Unterrichtsanlass geben. Damit kann ein Prozess einer kontinuierlichen Verbesserung eingeleitet werden. Somit wird dem Grundanliegen der Agenda 21 in idealtypischer Weise Rechnung getragen. Verbesserungen, Aktualisierungen oder Ablehnung und erneute Planung und Entwicklung neuer Ideen führen zur Nachhaltigkeit im Bildungsprozess.